Evoli und seine acht Entwicklungen versammeln sich an einem langen Tisch. Dahinter liegen Ruinen, die von Pflanzen umgeben sind. Das ist meine Shadowbox Das Letzte Abendmahl. Im Rahmen stehen viele Figuren, aber zuerst soll man die Szene wahrnehmen: Sie sind zusammengekommen.
Beim Halloween-Pikachu entsteht eine andere Stimmung. Violette Bögen, ein Mond und Fledermäuse treffen auf einen Umhang und zwei kleine Fangzähne. So bekommt eine vertraute Figur einen neuen Auftritt.
Diese beiden Arbeiten zeigen gut, warum ich gern Shadowboxes gestalte. Figuren, Hintergrund und Rahmen gehören alle zum Entwurf. Mit dem 3D-Druck werden daraus einzelne Schichten mit echter Materialstärke.
Dies ist der erste Beitrag dieser Blogserie. Ich möchte mit den Werken beginnen: Was macht solche Schichtbilder reizvoll, und warum eignen sie sich als Ausstellungsstücke aus dem 3D-Drucker?
Was ist eine Shadowbox? Ein Blick auf die Schichten im Rahmen
Der Begriff Shadowbox umfasst unterschiedliche Formen räumlicher Bilder und Rahmen. Hier geht es um die Methode, die ich für meine Arbeiten nutze: Figuren und Szene werden in mehrere Schichten aufgeteilt, räumlich angeordnet und zu einem vollständigen Bild zusammengesetzt.
Ganz vorn können der Rahmen, Zweige oder ein Tisch liegen. Die Figuren stehen in der Mitte, Gebäude, Felsen oder Himmel weiter hinten. Die Kontur jeder Schicht und wie viel sie vom Hintergrund verdeckt, bestimmen die Szene, die wir sehen.
Beim Letzten Abendmahl mit Evoli und seinen Entwicklungen zieht sich der Tisch durch das Bild. Evoli steht in der Mitte, seine Entwicklungen verteilen sich auf beide Seiten. Dahinter sieht man Typensymbole an Steinsäulen, Bögen und Pflanzen. Grüne Konturen im Vorder- und Hintergrund umschließen die Szene und halten den Blick im Rahmen.
Genau diese Beziehungen machen die Schichtung aus. Der Tisch liegt vor den Figuren, die Figuren vor den Ruinen. Pflanzen nahe am Rahmen verdecken wiederum Teile des Hintergrunds. Obwohl viele Einzelteile fast flach sind, entsteht im Zusammenspiel ein lesbarer Raum.
Ich lasse gern auch den Hintergrund erzählen
Der Hintergrund ist mir bei solchen Arbeiten besonders wichtig. Wo eine Figur steht, verändert die Wirkung des gesamten Werks.
Beim Halloween-Vampir-Pikachu erklären Umhang und kleine Fangzähne das Kostüm. Spitzbögen, Mond, Fledermäuse und Grabsteine schaffen den passenden Ort dafür. Der violette Hintergrund hebt das gelbe Pikachu hervor. Etwas Rot auf der Innenseite des Umhangs greift das Vampirthema auf.
Diese Elemente müssen für sich genommen nicht kompliziert sein. Die Kontur des Mondes, ein paar Fledermäuse und die Form der Bögen vermitteln bereits viel. Für mich liegt ein Teil des Vergnügens darin, diese Elemente auszuwählen und ihren Platz und ihre Größe festzulegen.
Bei jeder zusätzlichen Dekoration prüfe ich auch, ob sie der Hauptfigur die Aufmerksamkeit nimmt. Ich suche ein Gleichgewicht: Der Hintergrund soll etwas zu entdecken bieten, die Figur aber sofort erkennbar bleiben.
Auch die Schatten zwischen den Schichten gehören zum Werk
Ein Teil der räumlichen Wirkung entsteht durch echte Schatten. Vordere Teile verdecken hintere. Weil zwischen den Schichten Abstand liegt, erzeugt einfallendes Licht helle und dunkle Bereiche an den Kanten.
An den Bögen des Halloween-Pikachu lässt sich das gut beobachten. Ähnliche violette Konturen verengen sich Schicht für Schicht nach innen. Auch ohne aufwendige Oberflächentextur machen die Kantenschatten die Tiefe sichtbar. Schräg von der Seite erkennt man die Abstände noch deutlicher.
Darum prüfe ich einen geschichteten Entwurf nicht nur von vorn. Verschiedene Blickwinkel im Modell zeigen, welche Stellen verdeckt sind und wo Verbindungen sichtbar werden. Oft finde ich dabei etwas, das ich noch ändern möchte.
Warum passt diese Form zum 3D-Druck?
Für meine Arbeitsweise ist es ein praktischer Vorteil, die Szene in einzelne Teile zerlegen zu können.
Viele Schichten lassen sich als relativ flache Teile gestalten. Druckausrichtung, Dicke und Farbe können getrennt geplant werden, bevor alles zusammengebaut wird. Bei Änderungen kann ich die Kontur oder den Aufbau einer bestimmten Schicht anpassen. Eine gut geordnete Szene im Entwurf erleichtert die spätere Herstellung.
Auch die Farben lassen sich zusammen mit den Teilen planen. Manche Bereiche eignen sich für eine Aufteilung nach Farbe, bestimmte Details für Mehrfarbdruck. Die Entscheidung hängt davon ab, wie einfach sich die Einzelteile montieren lassen und wie viele Farbwechsel der Druck erfordert.
In Glumandas Höhlenszene haben die äußere orangefarbene Kontur, die dunklen Felsen im Inneren und die Schwanzflamme unterschiedliche Aufgaben im Bild. Bei der Farbplanung beachte ich daher nicht nur die ursprünglichen Farben der Figur. Benachbarte Schichten müssen unterscheidbar bleiben, und der Hintergrund sollte die Hauptfigur nicht überlagern.
Wer gerade erst Shadowboxes entwerfen lernt, kann mit einer einfachen Szene beginnen: eine Hauptfigur, wenige Hintergrundelemente und ein Rahmen. Zuerst sollten Konturen, räumliche Reihenfolge und Montage klar sein. Danach lässt sich die Komplexität steigern.
Ein Rahmen, viele Themen
Shadowboxes eignen sich auch für Serien. Ähnliche Rahmen und Sockel geben den Werken Zusammenhalt, wenn sie nebeneinander stehen. Im Inneren können dagegen völlig unterschiedliche Szenen entstehen.
Bei einer einzelnen Figur lassen sich Ausdruck, Haltung und Umgebung hervorheben. Eine Gruppenszene wie das Letzte Abendmahl verlangt Überlegungen zur Anordnung der Figuren. Halloween-Pikachu zeigt eine weitere Möglichkeit: Die vertrauten Merkmale bleiben erhalten, während Kleidung, Requisiten und Hintergrund ein saisonales Thema erzählen.
Mir gefällt dieser Spielraum innerhalb einer gemeinsamen Form. Jedes Werk kann für sich stehen. Zusammen ergeben sie eine eigene kleine Sammlung.
Es gibt auch Abwägungen
Schichten bedeuten nicht automatisch weniger Arbeit. Mehr Schichten bedeuten auch nicht automatisch ein besseres Ergebnis.
Sehr dünne Zweige, Spitzen und kleine Verzierungen können zu fragil sein. Abstände, die im Modell passend aussehen, müssen durch Testdrucke geprüft werden. Mehr Farben und Teile erhöhen außerdem Druck- und Montagezeit. Das alles gehört zu den Entwurfsentscheidungen.
Auch die Betrachtung hat ihre Eigenheiten. Ich organisiere diese Arbeiten hauptsächlich für die Ansicht von vorn. Schräg von der Seite kann man die Schichtung genießen. Dreht man das Werk weiter, sieht man zunehmend den Aufbau selbst. Schon vor dem Entwurf zu überlegen, wo es stehen und aus welcher Richtung es betrachtet wird, hilft bei der Gestaltung.
Mein Ziel ist deshalb nicht, möglichst viele Schichten hinzuzufügen. Jede Schicht soll das Bild klarer machen, das Thema ergänzen und sich zuverlässig drucken und montieren lassen.
Als Nächstes schauen wir uns die Entwürfe genauer an
In dieser Serie möchte ich weiter auf diese Fragen eingehen: Wie wähle ich Thema und Komposition? Wie teile ich ein Bild in Schichten auf? Welche Werkzeuge eignen sich? Und wie werden Konturen in Fusion 360 zu druckbaren Teilen?
Künftige Beiträge werden konkrete Arbeiten zeigen, mit Entwurfsentscheidungen, Druckprüfungen und Überarbeitungen. Wer vorher unterschiedliche Szenen vergleichen möchte, kann die Shadowbox-Pokémon-Sammlung durchsehen. Such dir ein Werk aus und achte darauf, wo Hauptfigur, Vordergrund und Hintergrund liegen.
Im zweiten Beitrag, Shadowbox-Komposition: Eine Szene in Schichten vor dem Modellieren planen, geht es anhand von Relaxo, Nachtara und weiteren Werken um Stimmung, Blickfang und Überdeckung. Zwei Kompositionsskizzen zeigen die Abwägungen.